Die Musikindustrie sieht sich mit einer neuen Form des organisierten Betrugs konfrontiert, bei der künstliche Intelligenz genutzt wird, um Streaming-Plattformen systematisch zu manipulieren. Betrüger laden KI-generierte Songs zusammen mit gefälschten Metadaten und Artworks über Digitalvertriebe hoch, welche diese ohne Verifizierung des Urhebers an Dienste wie Spotify weiterleiten. Dies führt dazu, dass unautorisierte Werke auf den Profilen etablierter Künstler landen, was Musiker wie Tara Nome Doyle, Jeff Tweedy, Jason Moran sowie die Band Toto bereits erlebt haben.

Ein besonders prominentes Beispiel für die Dimensionen dieses Problems ist der Fall von Michael Smith aus North Carolina. Smith wurde in den USA bundesstrafrechtlich verfolgt und zu 18 Monaten Haft verurteilt, nachdem er KI-Musik veröffentlicht und über Bots in die Charts gepusht hatte. Laut Recherchen des Rolling Stone nutzte er etwa 1.040 Accounts, um täglich circa 636 KI-Songs zu streamen, wodurch er jährlich über 1,2 Millionen Dollar einnahm.

Die Betrugsmethoden variieren in ihrer Qualität, bleiben aber in ihrer Wirkung disruptiv. Der Jazzpianist Jason Moran stellte fest, dass auf einem in seinem Namen veröffentlichten Fake-Album nicht einmal ein Pianist zu hören war, was die Plumpheit einiger Versuche verdeutlicht. Dennoch bleibt das System undurchsichtig, da Nutzer ihrer Streaming-Abonnements oft unwissentlich finanzieren, dass Betrüger durch künstliche Klicks und Deepfakes hohe Summen scheffeln.

Die rechtliche Aufarbeitung hinkt der technologischen Entwicklung hinterher, da die aktuelle Gesetzeslage als lückenhafter Flickenteppich beschrieben wird. Zwar regelt Artikel 50 der neuen EU-KI-Verordnung Transparenzpflichten bezüglich Deepfakes, verbietet diese jedoch nicht gänzlich. Experten kritisieren, dass reine Kennzeichnungen nur an der Oberfläche kratzen und keinen ausreichenden Schutz gegen die fortschreitende KI-Musikflut bieten.