Die transatlantische Geheimdienstkooperation steht nach der Festnahme des ehemaligen BND-Präsidenten August Hanning unter erheblichen Spannungen. Nach Rechercen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung haben US-Geheimdienste den Bundesnachrichtendienst (BND) gewarnt, dass die bisherige Zusammenarbeit auf den Prüfstand gestellt werde. Zwar betonten die USA, dass der BND ein wichtiger Partner bleibe und Informationen in dringenden Fällen, etwa bei Terrorgefahr, weiterhin fließen sollen, doch die bloße Ankündigung löste innerhalb der Behörde große Verunsicherung aus.
Im Zentrum der Affäre stehen schwerwiegende Vorwürfe des Generalbundesanwalts gegen Hanning und seinen ehemaligen Büroleiter Manfred D. Es wird vermutet, dass Hanning über einen Zeitraum von etwa zwölf Jahren mithilfe von D. Zugriff auf sensible Dokumente hatte. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf den Verdacht des versuchten Landesverrats, das Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, landesverräterische Ausspähung sowie geheimdienstliche Agententätigkeit. Hanning soll zudem versucht haben, geheime Informationen an ausländische Stellen weiterzugeben; seine Verteidigung weist diese Vorwürfe jedoch zurück.
Für den BND stellt ein potenzieller Rückgang des Informationsflusses aus den USA ein strategisches Risiko dar, da die deutsche Behörde seit Jahrzehnten stark von diesem Partner abhängig ist. Führungskräfte im BND wurden angewiesen, jegliche Veränderungen im Austausch mit den USA unverzüglich zu melden. Während Sicherheitskreise in Berlin betonen, dass sich die Kooperation im Normalzustand befinde und lediglich Arbeitsgespräche verschoben wurden, berichten Mitarbeiter von einer abnehmenden Qualität und Menge der übermittelten Daten. Dieser Rückgang soll stärker ausfallen als nach dem Fall von Carsten L., einem Ex-Referatsleiter, dem 2022 der Verkauf von Geheimnissen nach Russland vorgeworfen wurde.
Andere deutsche Sicherheitsbehörden zeigen sich hingegen gelassen gegenüber den Entwicklungen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) gibt an, dass die Zusammenarbeit mit den US-Partnerdiensten unverändert fortbestehe. Ebenso stabil sei der Austausch zwischen der Bundeswehr und dem US-Militär sowie dem US-Militärgeheimdienst DIA. Ein Sprecher des BND sowie die US-Botschaft lehnten eine offizielle Stellungnahme zu der aktuellen Lage der Zusammenarbeit ab.


